24. April 2026 · 3 Min. Lesezeit
Seit einer Woche bin ich wieder allein. Nach über zwei Jahren habe ich mich getrennt – und es war meine Entscheidung.
Wir hatten eine offene Beziehung. Das war von Anfang an klar, von beiden Seiten gewollt, und lange hat es funktioniert. Offenheit braucht Vertrauen, und Vertrauen braucht Maß. Irgendwann war das Maß nicht mehr da. Nicht bei mir. Mehr will ich dazu nicht sagen – es gehört uns beiden, nicht dem Internet.
Was ich aber sagen will, ist das hier: Die letzten Monate haben mein Schreiben verändert. Und nicht im guten Sinne.
Als Autorin lebe ich davon, genau hinzusehen. Menschen, Räume, Zwischentöne. Ich brauche einen bestimmten inneren Abstand, um Sätze zu bauen, die tragen. Diesen Abstand hatte ich nicht mehr. Ich war zu beschäftigt damit, etwas zu halten, das schon längst nicht mehr zu halten war. Man merkt das nicht sofort. Man merkt es daran, dass die Manuskriptseite leer bleibt. Dass man dreimal ansetzt und dreimal wieder löscht. Dass man sich selbst beim Schreiben langweilt – und das ist, glaube ich, das ehrlichste Warnsignal, das es gibt.
Die erste Woche allein war nicht das, was ich erwartet hatte. Kein Zusammenbruch, keine große Leere. Eher eine Art Stille, die ich zuerst nicht einordnen konnte. Erst nach ein paar Tagen habe ich gemerkt, was sie ist: der Raum, den ich die ganze Zeit vermisst habe. Der Raum zum Denken, ohne dabei schon eine Antwort parat haben zu müssen.
Ich schreibe diese Zeilen morgens, bei offenem Fenster, mit einem Kaffee, der noch warm ist. Das klingt banal. Aber es ist das erste Mal seit Langem, dass ich schreibe, weil ich will, und nicht, weil ich sollte.
Ich weiß nicht, wohin das führt. Ich habe kein neues Projekt in der Schublade, keinen fertigen Plan, keine Pointe. Was ich habe, ist Zeit. Und das Gefühl, dass meine Sätze wieder mir gehören.
Vielleicht ist das, was Trennung wirklich bedeutet, wenn man es nüchtern betrachtet: nicht in erster Linie Verlust, sondern Rückgabe. Man bekommt Dinge zurück, von denen man nicht gemerkt hatte, dass man sie abgegeben hat. Die eigene Morgenroutine. Den eigenen Geschmack in Musik. Die eigene Schreibstimme.
Ich möchte keine Lehre daraus ziehen. Es ist zu früh dafür, und ich misstraue Erkenntnissen, die sich nach einer Woche schon fertig anfühlen. Aber ich bin bereit, wieder zuzuhören – mir selbst, den Figuren in meinem Kopf, den Sätzen, die sich endlich wieder melden.
Falls ihr ähnliche Phasen kennt: Wie habt ihr zurück in eure eigene Sprache gefunden, als das Leben dazwischengekommen ist? Ich lese mit.